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Blasmusik liegt im Trend PDF Drucken E-Mail

KONZERT Landesjugendblasorchester Hessen begeistert Zuhörer im Kurhaus

BildSie sind zwölf bis 25 Jahre jung und zeigen Talent auf ihren Instrumenten: Unterstützt von Profimusikern begeisterte das Jugendblasorchester Hessen die Zuhörer im voll besetzten Kurhaus von Bad Schwalbach. Die Bläserszene wird immer größer, sinfonische Blasmusik ist „in“. Warum, kann auch Marguerite Rumpf nicht erklären, aber dass es sich so verhält, belegt die Orchestermanagerin des Landesjugendblasorchesters Hessen an zahlreichen Fakten.

Große Nachfrage an Teilnehmern

Da kommen zweimal im Jahr junge Leute aus ganz Hessen für eine Woche zusammen, um gemeinsam zu proben. „Uns gibt es zwar erst seit 2007, aber die Nachfrage ist immens“, sagt sie. „Über 50 waren es am Anfang, Tendenz steigend.“ Mehr als 70 Jugendliche bilden hessenweit derzeit das verbandsübergreifende Orchester. Getragen wird es von der Arbeitsgemeinschaft Hessischer Musikverbände, gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

 

Zuhause üben im stillen Kämmerlein genügt den jungen Bläsern nur als Grundvoraussetzung. Dass Talent vorhanden ist, haben die Kandidaten vorab als Eingangsvoraussetzung nachgewiesen. Proben im Orchesterverbund braucht einen langen Atem, kann Knochenarbeit sein, macht Laune und ist für die Bühnenreife unerlässlich.

Von morgens neun bis abends neun war vorige Woche Probe, Ort des Geschehens die Jugendherberge Wiesbaden. Nicht nur wegen der Unterkunft, sondern wegen des Bedarfs an vielen kleinen Räumen und einem großen. Dass die Kreisstadt zu den ersten Auftrittsorten gehörte, ist nach den Worten der Orchestermanagerin dem künstlerischen Leiter des Jugendblasorchesters, Jens Weismantel, zu verdanken. Zusammen mit Professor Hans Rückert leitete er das Auswahlorchester in Bad Schwalbach, hatte die Fäden dorthin geknüpft und erfahrene Profimusiker verpflichtet, die den Jugendlichen mit Rat und Tat zur Seite stehen: Klarinettist Philipp Bruns, Trompeter Uwe Gesierich, Oboistin Anni Komppa und Schlagzeuger Jürgen Nießner.

Gäste aus ganz Hessen füllen an diesem Nachmittag das Kurhaus. Marianne Ott aus Gelnhausen gehört zu ihnen, sitzt ganz vorn, um auch wirklich alles mitzubekommen. Besonders den Auftritt ihrer Tochter Susanne Riedl. Die Saxofonistin vervollständigt mit der Flötistin Anselma Breer das anspruchsvolle Konzert. Mucksmäuschenstill ist es im Saal bei den jeweils eine Stunde vorgetragenen musikalischen Schwerpunktthemen Flöte und Saxofon. Eine Mixtur aus vielen Nachwuchstalenten und wenigen Profis wird präsentiert. Mit Spannungsbögen, die spürbar sind und sich nachvollziehen lassen, weil die dahinter stehende Handlung erläutert wird. Das Ganze zum Schnäppchenpreis. Keine leichte Kost, keine Ohrwürmer, aber eine der wenigen Gelegenheiten, dieses musikalische Genre vor Ort zu genießen.

Als würde man mit den Ohren sehen

Zu lernen, dass Blasmusik nicht gleich Blasmusik ist, junge Leute diesem Anspruch eine Menge abgewinnen können und sich dafür ins Zeug legen. Für einen selber vielleicht erstmals die Erfahrung, wie sich die Tragödie des schottischen Unabhängigkeitskrieges von 1746 musikalisch umgesetzt anhört. Oder, auf andere Art Gänsehaut erzeugend, das sinfonische Gedicht vom Monster im Flathead Lake. Wie das Monster auf ein herannahendes Schiff reagiert, ist in seiner ansteigenden, aufbrausenden und wieder abschwellenden musikalisch-instrumentellen Dramatik hörenswert. Als würde man mit den Ohren sehen.

(Wiesbadener Tageblatt - 19.10.2010)